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Detlef Seif schreibt an Bundesumweltministerin:
Druck auf Belgien erhöhen. Doel und Tihange herunterfahren.


Der belgische Rundfunksender RTBF berichtet, dass die 13.000 Risse an den Reaktordruckbehältern von Tihange 2 und Doel 3 nicht nur auf die Herstellung zurückzuführen sind, sondern wesentliche Mängel darstellen. Belgische Experten raten zum Abschalten der Reaktoren. „Im Interesse Deutschlands und der Menschen im Umkreis der Kraftwerke, erwarte ich von Ihnen ein entschiedenes Vorgehen. Üben Sie bitte Druck auf Belgien aus, damit die Anlagen heruntergefahren werden“, schreibt der Bundestagsabgeordnete Detlef Seif an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

Die drei Experten René Boonen, Jan Peirs und Walter Bogaerts der Katholischen Universität Leuven kommen zu dem Schluss, dass die inzwischen bekannten Zahlen von über 13.000 Rissen in Doel und über 3.000 Rissen in Tihange im Stahl der Reaktordruckbehälter, nicht mit unwesentlichen Herstellungsfehlern zu begründen seien. Wären die Risse bei der Herstellung ent-standen, wären maximal 1.500 Risse vorhanden. Die Hülle der Reaktorbehälter sei zu schwach für einen Weiterbetrieb. Die Stabilität der Anlagen könne nicht garantiert werden, schlussfolgern die Professoren.

Der Kraftwerksbetreiber Electrabel und die belgische Atomaufsicht weisen die Ergebnisse der Forscher zurück. Der Atomaufsichtsdirektor Jan Bens wird zitiert, man habe auch andere Expertenmeinungen und vertraue diesen.

„Dieses Vorgehen der belgischen Behörden ist unverständlich und skandalös“, kritisiert Seif. „Die Behälter sind nachweislich fragiler als ursprünglich angenommen. Die Menge der Risse ist gestiegen. Dies wird von den belgischen Forschern bekräftigt. Es bestehen demnach objektive Zweifel an der Stabilität der Anlagen.“

Er konkretisiert seine Forderung: „Im Interesse der Sicherheit sind die Reaktoren deshalb herunterzufahren. Ich erwarte, dass unabhängige deutsche Experten die Anlagen Tihange 2 und Doel 3 untersuchen können. Die deutsch-belgische Nuklearkommission hat bisher keine substantiellen Ergebnisse geliefert. Solange die Anlagen nicht gründlich inspiziert worden sind, dürfen sie nicht weiterbetrieben werden.“

Und abschließend verweist der Abgeordnete auf die unzureichende europäische Rechtslage hin: „Wir benötigen zwingend europäische Standards für die Nukleartechnik und ein gemeinsames EU-Recht, damit die EU-Kommission künftig als neutrale Instanz handeln kann.“ Hierzu wird er am 12. Oktober 2017 in Brüssel erneut mit EU-Kommissar Miguel Arias Cañete zusammentreffen und weitere Schritte beraten.

(September 2017)



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