Gebt Großbritannien Zeit

Detlef Seif, EU-Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, widerspricht entschieden der Auffassung von Jean-Claude Juncker und Martin Schulz, Großbritannien zu einer zügigen Einleitung des Austrittsverfahrens zu bewegen.

„Jetzt Druck auszuüben ist nicht nur unangemessen und unvernünftig, sondern sogar zutiefst uneuropäisch, weil Großbritannien damit die letzte Chance einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union genommen wird“, betont Seif. Denn nun, wo man feststelle, dass es sich bei den Argumenten der Pro-Europäer doch nicht um reine „Angstmacherei“ gehandelt habe, scheinen den Briten die Folgen und Risiken eines Brexit erst wirklich bewusst zu werden. Was nicht zuletzt auch daran liege, dass viele britische Medien im Nachgang weitaus differenzierter berichten als vor dem Referendum, ist Seif überzeugt: „Im Moment ist in Großbritannien alles in Bewegung, nichts scheint unmöglich. Gesicherte Vorhersagen über die innenpolitische Entwicklung lassen sich kaum treffen. Das Land braucht eine Verschnaufpause.“ Man müsse dem Vereinigten Königreich Zeit geben, sich innenpolitisch neu zu ordnen, damit es dann die aus seiner Sicht richtigen Entscheidungen treffen kann. Detlef Seif: „Insbesondere wäre es absurd, das britische Referendum als ´Einbahnstraße des Brexits´ zu verstehen, wenn deutliche Signale vorhanden sind, dass ein erneutes Referendum, das mittlerweile von über drei Millionen Unterstützern getragen wird, ein ganz anderes Ergebnis haben würde.“

Eines müsse aber auch klar sein: Bei aller Gesprächsbereitschaft habe Großbritannien nicht das Recht, durch weiteres Rosinenpicken Sonderrechte zu erhalten, sei es bei fortbestehender EU-Mitgliedschaft, sei es im Rahmen eines Austrittsvertrages.

2017-07-19T12:31:44+02:00